Die Sprache des Lächelns
Japan - ein freundliches Land
Dieses Land bietet jedem etwas: dem Bergwanderer die lang gezogene Kette
der "Japanischen Alpen" und den 3 776 Meter hohen Fuji, dem Wintersportler
eine Fülle gut erschlossener Skigebiete und dem Badeurlauber auf Kyushu und
am "Ostmeer" / "Japanischen Meer" lohnenswerte Stellen zum Surfen und
Tauchen.
Der Gegensatz zwischen rastlosen, modernen Großstädten mit ihren
drängenden Menschenmassen und dem Zauber ehrwürdiger Tempel und exotischer
Gärten in friedlichen Landstrichen: Das ist es wohl in erster Linie, was den
Reiz Japans ausmacht. Das "Land der aufgehenden Sonne" ist in Asien die
dynamischste Industrienation mit dem höchsten Stand an Technik und Wissen
und der besten Schulbildung. Gleichzeitig herrscht aber auch ein hohes
Bewusstsein für alte Traditionen und Bräuche. So gibt es ein Japan des
Stahlbetons und der Kunststoffmöbel, daneben aber auch ein Japan der
Papierfenster und der tatami, jener Bodenmatten aus Stroh- und
Binsengeflecht, mit denen die traditionellen Häuser ausgelegt sind. Ein
dichtes Verkehrsnetz, gut geführte Hotels und Gasthäuser, eine beispielhafte
öffentliche Sicherheit, Sauberkeit und Gastfreundschaft erleichtern
ausländischen Besuchern den Aufenthalt.
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Die schönsten Jahreszeiten
Die Ballungszentren befinden sich fast ausnahmslos auf dem schmalen
Küstenstreifen am Pazifik. Der Zug von Tokyo nach Osaka durchfährt eine kaum
unterbrochene Kette von Städten, Fabriken und Wohnblöcken. Das Klima ähnelt
im nördlichen Hokkaido dem mitteleuropäischen Klima, je weiter man jedoch
nach Süden vordringt, desto wärmer wird es. Die mittleren Jahrestemperaturen
liegen in Sapporo bei 7 Grad, in Tokyo - etwa auf der Höhe von Tunis - bei
11,7 Grad und in Nagasaki bei 16,5 Grad. Die Winter sind von kontinentaler
Kaltluft beeinflusst. Als schönste Monate gelten April und Mai sowie trotz
gelegentlicher Taifune von Mitte September bis November. Von Anfang Juni bis
Mitte Juli dagegen herrscht Regenzeit, und bis Anfang September ist es
schwülheiß.
Kirschblüte im April
So unterschiedlich das Klima, so vielfältig gestaltet sich auch die
Vegetation. Entlang den Küsten werden Reis, Gemüse, Obst, Tee und Blumen
angebaut. Die Gebirge sind überwiegend mit Mischwald bedeckt - man sieht
Kiefern, Lärchen, Zedern, Tannen, Buchen, Ahorn und Bambus. Wuchernder
Zwergbambus und Bambusgras erschweren meist das Gehen abseits der Wanderwege
in den Wäldern. Viel besungen wird die Kirschblüte im April, die manche
Gegend in einen Rausch von Rosa verwandelt.
Westlich geprägt
Die Mehrheit der über 126 Millionen Einwohner Japans lebt in den
Großstädten und deren Umland. Im Raum Tokyo-Yokohama drängt sich eine
Bevölkerung von fast 16 Millionen. Manche Statistik nennt gar 30 Millionen
Bewohner. Weitere Ballungszentren sind Nagoya, der Raum Osaka-Kobe-Kyoto -
die so genannte Region Kinki - sowie Nord-Kyushu. Wegen der großen
Bevölkerungsdichte sind die U-Bahnen, S-Bahnen und Busse in den Stoßzeiten
meist zum Bersten voll. Die Eisenbahnen - darunter der bis 350 km/h schnelle
Superexpress Shinkansen - verkehren so pünktlich, dass man die Uhr danach
stellen kann. Selbst entlegene Sehenswürdigkeiten lassen sich dank des guten
Verkehrsnetzes problemlos erreichen.
Der Einfluss der Nachbarn
Auf einer einzigen Reise das ganze Land, ja nur die wichtigsten
Sehenswürdigkeiten, Städte und Landschaften kennen zu lernen, scheint
unmöglich. Wer sich auf Tokyo beschränkt, diese ostasiatische Metropole mit
ihrer Mischung aus westlichem Weltstadtanspruch und traditionell japanischer
Atmosphäre, wird einen völlig anderen Eindruck mit nach Haus nehmen, als
jemand, der eine Tour durch die Insel Kyushu macht. Das Land ist vom Westen
verändert, ohne verwestlicht geworden zu sein. Die Japaner haben es immer
wieder meisterhaft verstanden, materielle und geistige Einflüsse in
spezifisch japanische Formen umzugießen und daraus etwas Neues, Eigenes zu
schaffen. Jahrhunderte lang hatten hier vor allem China und Korea kulturelle
Spuren hinterlassen.
Der Fortschritt hat freilich auch hässliche, formlose Städte, eine wild
zersiedelte Landschaft, einen Wirrwarr aus grauen Holzbehausungen, Fabriken,
und greller Reklame hervorgebracht, über die sich Abgasschleier ausbreiten.
Dies hat jedoch die alte Kultur nicht auslöschen können - unter anderem die
vielen traditionellen Feste und das komplizierte Schriftsystem.
Immer freundlich
Das Lebensgefühl der jüngeren Generation ist dem ihrer Altersgenossen im
Westen in vielem verwandt. Sie drängt nach größerer Unabhängigkeit, ist
sachlicher und schnelllebiger. Insgesamt aber können die Japaner als fleißig
und diszipliniert gelten, als zäh, geschäftstüchtig, höflich und
gruppenorientiert. Sie verwirklichen sich mehr im Kollektiv und weniger als
Einzelpersonen. Die Harmonie im Volk, in der Familie und in der Gruppe
genießen einen höheren Stellenwert als das einzelne Glück auf Kosten
anderer. Die Beziehungen und Verpflichtungen, die ein Netz der
Rücksichtnahme über die Gesellschaft legen, sind trotz aller
Demokratisierung immer noch durchgreifend. Auffällig ist dies allein bei der
japanischen Art des Reisens. Erwachsene und uniformierte Schüler fahren
gruppen- und firmen - beziehungsweise klassenweise von einer
Sehenswürdigkeit zur nächsten. Voraus marschieren Mädchen mit Megafon und
geben nahezu pausenlos Erläuterungen. Ausländische Besucher begegnen die
Japaner meist mit entwaffnender Freundlichkeit. Der Fremde, der sich
verlaufen hat, braucht selten lange zu warten, ehe ihn eine freundliche
Stimme in mehr oder weniger geläufigem Englisch fragt, ob er Hilfe brauche.
Zuweilen wird er dann sogar zum gesuchten Ziel begleitet.
Das ein oder andere Missverständnis wird auf einer Japanreise zwar nicht
ausbleiben und erfordert Verständnis, Geduld und Rücksichtnahme auf
landesübliche Gepflogenheiten. Wenn Kritik angebracht ist, sollte man ein
Lächeln nicht für Hohn nehmen: Es drückt Verlegenheit aus.
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